Im Süden: Vier Kirchen, ein Name
Pfarreiengemeinschaft heißt "Maria Frieden" Aschaffenburg "Maria Frieden" wird sich die Pfarreiengemeinschaft im Aschaffenburger Süden nennen. Das haben hauptamtliche Mitarbeiter und Vertreter der Pfarrgemeinderäte von Maria Geburt, St. Gertrud (beide Schweinheim), St. Peter und Paul (Obernau) und St. Matthäus (Gailbach) beschlossen. Mit dem Zusammenschluss der vier Pfarreien war im Winter die mit 12 500 Katholiken größte Pfarreiengemeinschaft der gesamten Diözese Würzburg entstanden. Schon in der Phase des Beschlusses war der Name "Maria Frieden" gefallen. Die Katholiken in den Stadtteilen Obernau, Gailbach und Schweinheim waren aufgerufen, Namensvorschläge für die neue Pfarreiengemeinschaft abzugeben. Bis Anfang dieses Jahres wurden Ideen jeweils mit Begründungen aufgenommen.
"Nicht allzu viele Vorschläge" seien in den Pfarrbüros der einzelnen Pfarreien eingegangen, berichtet Pfarrgemeinderatsvorsitzender Matthias Tübel (St. Gertrud). Dies habe wohl daran gelegen, dass schon früh der Name "Maria Frieden" in den Pfarreien die Runde machte. Mit großer Mehrheit stimmten die vier Pfarrgemeinderäte in der Ausschusssitzung der neuen Gemeinschaft nun für "Maria Frieden".
Der Name geht auf die Kapelle im Obernauer Wald zurück, die im Volksmund als "Obernauer Kapelle" bekannt ist. Als "geografischer Mittelpunkt" der Pfarreiengemeinschaft wird die Kapelle schon heute von den vier Pfarreien zu Wallfahrten, Kapellenfesten oder während der zur Institution gewordenen Mitternachtsmette an Weihnachten besucht. Gewidmet ist die Kapelle der schmerzhaften Mutter Gottes.
Nachdem der Name der Pfarreiengemeinschaft gefunden ist, wird in den nächsten Monaten der Ausschuss der vier Pfarreien einen Kooperationsvertrag aushandeln. Dafür wollen die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte gemeinsam einen ersten Vorschlag erarbeiten. 2009 soll in einem Festgottesdienst an der Obernauer Kapelle die Pfarreiengemeinschaft feierlich errichtet werden. veröffentlicht: Main-Echo 18. 03. 2008 Redaktion
Neuer Pfarrer u. mitarbeitender PriesterAb April 2008 wird H. Pfr. Robert Heßberger, Pfarrer von St. Gertrud, auch für unsere Pfarrgemeinde zuständig sein. Als mitarbeitender Priester wird ihm Pater Judas Thaddäus Okocha aus Nigeria zur Seite stehen. Aschaffenburg-Obernau, den 13.02.2008
Pfarreiengemeinschaft Schweinheim Gailbach ObernauDas Gremium, bestehend aus Pfarrgemeinderatsmitgliedern von Maria Geburt, St. Gertrud, Schweinheim, St. Matthäus, Gailbach und St. Peter und Paul, Obernau hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen die neue Pfarreiengemeinschaft nach unserer Waldkapelle Maria Frieden zu benennen. Wir freuen uns, dass der Name unserer Obernauer Kapelle Maria Frieden, der auch ein geographischer Mittelpunkt unserer vier Pfarreien ist, bei allen Vertreterinnen und Vertretern großen Anklang gefunden hat. So wünschen wir uns, dass der Friede Gottes durch die Fürsprache Mariens in unseren Pfarreien stets gegenwärtig ist.
Aschaffenburg-Obernau, den 31.01.2008 |
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Vier Partner, zwei Pfarrer Lösung in Sicht: Pfarreiengemeinschaft von Schweinheim, Obernau und Gailbach Aschaffenburg. Für die Pfarreiengemeinschaft im Aschaffenburger Süden zeichnet sich eine Lösung ab. Die katholischen Gemeinden Maria Geburt und St. Gertrud (Schweinheim), St. Matthäus (Gailbach) und St. Peter und Paul (Obernau) sollen zu viert zusammenarbeiten. Dafür bekommen sie zwei leitende Pfarrer. Pro Pfarreiengemeinschaft ist üblicherweise nur einer vorgesehen. In Aschaffenburg entstünde jedoch mit 12500 Katholiken die größte Pfarreiengemeinschaft des Bistums Würzburg. Ein Pfarrer allein könnte diese kaum betreuen. So sollen Robert Heßberger (St. Gertrud) und Markus Krauth (Maria Geburt) beide als leitende Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft bleiben. Jeweils einer soll für zwei Jahre die Zusammenarbeit moderieren und bei Problemen die letzte Entscheidung treffen. Pfarrgemeinderäte und hauptamtliche Mitarbeiter der vier Pfarreien hatten am Donnerstag über diese Lösung beraten. Alle waren einverstanden. Die endgültige Entscheidung fällt in den kommenden Tagen Bischof Friedhelm Hofmann. Dekan Jürgen Vorndran erläuterte in der Pfarrversammlung von Maria Geburt am Freitagabend die Gründe, die das Dekanat Aschaffenburg-Stadt bei Hofmann in Würzburg vorgebracht hat. • Die Ein-Pfarrer-Regel gilt für das ganze Bistum. Dieses ist aber sehr unterschiedlich strukturiert. Die Pfarrer in Aschaffenburg und Umgebung betreuen mehr Gemeindemitglieder als ihre Kollegen in dörflichen Gegenden: Im Ochsenfurter Gau leben 400 Katholiken in einer Pfarrei, in Aschaffenburg sind es allein in Maria Geburt 5100. • Mit der Vierer-Gemeinschaft wäre für die Gemeinde St. Peter und Paul in Obernau ein sinnvoller Anschluss gefunden. Pfarrer Robert Heßberger (St. Gertrud) übernimmt dort zum 1. April 2008 die Seelsorge und ist fortan für beide Gemeinden zuständig. • Das Konzept der Pfarreiengemeinschaften hat das Bistum entwickelt, um Pfarreien nicht einfach zusammenzulegen. Sie sollen ihre Identität behalten können. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Stefanie Krömker sagte, die Vierer-Gemeinschaft habe den Vorteil, »dass wir uns offen halten, wer mit wem zusammenarbeitet«. Zudem gebe diese Lösung den Gemeinden die Chance, dass sie selbst herausfinden, für welche Angebote und Veranstaltungen der Kirche welche andere Gemeinde der richtige Partner sei. Dekan Vorndran sagte den rund 40 Teilnehmern der Pfarrversammlung, als zweitgrößte Pfarrei des Stadtdekanats stehe Maria Geburt besonders in der Pflicht. »Sie sind eine der Gemeinden, die andere auf den Weg mitnehmen müssen.« Er mahnte zugleich, die Gemeinde solle ihre Position der Stärke nicht ausnutzen. »Pfarreiengemeinschaften leben und sterben damit, ob auch ungleiche Partner miteinander auskommen.« Obernau und Gailbach sollten so selbstständig wie möglich bleiben. Die Mitglieder der Pfarrei Maria Geburt reagierten gelassen auf die ihnen erstmals vorgestellte Idee. Auf Nachfrage eines Gemeindemitglieds erläuterte Vorndran die Zusammenarbeit. Zunächst ist ein gemeinsamer Ausschuss vorgesehen. Die Wahl eines gemeinsamen Pfarrgemeinderats bleibt den Gemeinden überlassen. Sie können auch vier Räte behalten. Den Kooperationsvertrag, der die Details der Zusammenarbeit regelt, müssen die Pfarreien nicht gleich festzurren. Die vor zwei Jahren in der Innenstadt gegründete Gemeinschaft St. Martin hatte sich bis jetzt damit Zeit gelassen; die Vorgabe des Bistums ist der erste Fastensonntag 2009. Bis dahin sollen alle Pfarreiengemeinschaften errichtet sein. Später könne der Vertrag jährlich geändert werden, sagte Vorndran. Bis April soll die neue Gemeinschaft einen Namen haben. Gemeindemitglieder rief Vorndran dazu auf, Vorschläge einzureichen. Sie sollen begründet sein und der Gemeinschaft einen Namenspatron geben, dessen Fest die vier Gemeinden zusammen feiern können. Der erste Vorschlag kam gleich aus dem Saal: »Maria Frieden, damit endlich mal Frieden in den Gemeinden herrscht.« Maria Frieden ist der Name der Obernauer Kapelle, zu der alle vier Gemeinden regelmäßig wallfahren. veröffentlicht: Main-Echo 26. 11. 2007 Silvia Maier 2010 – Auf dem Weg zur Pfarreiengemeinschaft (5): Dekanat Aschaffenburg-Stadt Fünf Gemeinschaften mit Citypastoral
Im Dekanat Aschaffenburg-Stadt werden 13 Pfarreien und eine Kuratie zu fünf Pfarreiengemeinschaften verbunden – Größte Einheit im Bistum Würzburg
Repro: Markus Hauck (POW) Karte des Dekanats Aschaffenburg-Stadt.
Aschaffenburg (POW) 13 Pfarreien und eine Kuratie mit insgesamt rund 37.500 Katholiken gehören zum Stadtdekanat Aschaffenburg. Bis 2010 sollen sie fünf Pfarreiengemeinschaften mit je 5000 bis 12.000 Katholiken bilden und eng mit der Citypastoral zusammenarbeiten. „Das Bewusstsein für eine Stadtkirche in Aschaffenburg ist bei sehr intensiven Gesprächen auf allen Ebenen gewachsen“, sagt Aschaffenburgs Stadtdekan Dr. Jürgen Vorndran (siehe Interview). Errichtet ist bisher die Pfarreiengemeinschaft Sankt Martin-Innenstadt. Die 14 Gemeinden im Stadtdekanat Aschaffenburg auf dem Weg zu Pfarreiengemeinschaften: ein Zwischenbericht.
Aschaffenburg ist die zweitgrößte Stadt im Bistum Würzburg und zählt insgesamt 68.000 Einwohner. Mit der polnischen und kroatischen Mission sowie der italienischen Gemeinschaft beträgt die Katholikenzahl über 40.000. Durch die enge Anbindung an das pulsierende Wirtschaftsleben im Rhein-Main-Gebiet verzeichnet Aschaffenburg ein stetiges Wachstum und wird in den nächsten Jahren die 70.000-Grenze bei den Einwohnern überschreiten. In der Bevölkerungsentwicklung lässt sich etwa an den Klassenstärken in den Grundschule ablesen, dass der Anteil der evangelischen Christen durch Zuzug weiter steigen wird, ebenso der Anteil der muslimischen Bevölkerung, der im Moment noch weit unter 10.000 liegt, während sich der Prozentsatz an Katholiken leicht verringern wird. Den 15.000 Christen anderer Konfessionen gegenüber herrscht ein offenes ökumenisches Klima. Aschaffenburg gehört seit 1815 zum Bistum Würzburg, zuvor war es Residenzstadt der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten, die das Schloss Johannisburg erbauen ließen. Keimzelle der kirchlichen Struktur war das 957 gegründete Stift Sankt Peter und Alexander, das bis zur Säkularisation im Jahr 1803 das kirchliche Leben am Untermain prägte und vor allem im Hochmittelalter zahlreiche Pfarreien besaß. Zur 1000-Jahr-Feier von Stadt und Stift Aschaffenburg erhob Papst Pius XII. 1958 die Stiftskirche zur Basilica minor. Die Wallfahrtskirche Sandkirche in der Fußgängerzone kann in diesem Jahr auf 400 Jahre Wallfahrt und 250 Jahre Neubau der Sandkirche zurückschauen. 2005 weihte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann den Neubau des Martinushauses ein, das als Erwachsenenbildungszentrum am Untermain einen festen Platz hat. Das Martinushaus im Stadtzentrum vereint Jugend- und Erwachsenenbildung mit dem sozialen Engagement der Caritas und ihren Beratungsstellen. Die ökumenische Telefonseelsorge hat ihren Sitz am Untermain in Aschaffenburg. Vier Ordensfamilien leben noch in der Stadt, dazu gehören das Kapuzinerkloster, die Maria-Ward-Schule der Englischen Fräulein, das Clemensheim der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung und die Dillinger Franziskanerinnen mit ihrem Kinderhort. Errichtet ist seit 1. Dezember 2005 die Pfarreiengemeinschaft Sankt Martin-Innenstadt mit den drei Pfarreien Sankt Peter und Alexander, Unsere liebe Frau und Sankt Agatha. Die Seelsorgeeinheit zählt rund 5700 Katholiken. Nach Angaben des Referats Gemeindeentwicklung der Diözese Würzburg wäre die Citypastoral in dieser Pfarreiengemeinschaft anzubinden. Leiter der Pfarreiengemeinschaft ist Dekan Dr. Jürgen Vorndran, wobei in Sankt Agatha weiterhin Pater Arnold Hartlaub als Pfarradministrator wirkt. Die künftig größte Pfarreiengemeinschaft Aschaffenburgs und des Bistums Würzburg umfasst den gesamten Süden der Stadt mit den Stadtteilen Schweinheim, Gailbach und Obernau. Bei der Errichtung stellen sich zwei Schwierigkeiten: Zum einen die Größe der Pfarreiengemeinschaft, zum anderen das Ungleichgewicht zwischen dem zum eigentlichen Stadtgebiet zählenden Stadtteil Schweinheim und den etwas außerhalb liegenden Orten Obernau und Gailbach. Pfarrer von Sankt Gertrud (Schweinheim) ist Robert Heßberger, von Mariä Geburt (Schweinheim) Markus Krauth. In Sankt Peter und Paul in Obernau ist vorläufig noch Nilkheims Pfarrer Wolfgang Kempf priesterlicher Moderator, und die Kuratie Sankt Matthäus in Gailbach leitet Ivan Levak, der zusätzlich die kroatische Mission betreut. Die Seelsorger und die Vertreter der Gemeinden haben sich jüngst auf eine künftige Zusammenarbeit verständigt. Mit der Diözesanleitung ist vereinbart, dass diese Pfarreiengemein-schaft zwei Pfarrer und noch einen Pfarrvikar haben wird. Der Pfarrvikar soll sowohl in der Gemeindeseelsorge, als auch in der Sonderseelsorge tätig sein. Gerade in der Anfangsphase werden alle vier Gemeinden wohl noch eine hohe Eigenständigkeit bewahren. Die geplante Pfarreiengemeinschaft im Osten Aschaffenburgs besteht aus der Mutterpfarrei Herz Jesu und der in den 1960er Jahren aus ihr gegründeten Pfarrei Sankt Pius, in deren Gebiet auch das Klinikum Aschaffenburg liegt. Zu ihr sollen künftig 5200 Katholiken gehören. Die beiden Pfarreien arbeiten bereits an der Vereinbarung über die Gestaltung der Zusammenarbeit. Bis Pfingsten 2008 soll die Pfarreiengemeinschaft errichtet sein. Nach Angaben des Referats Gemeindeentwicklung wird sich langfristig die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der Pfarreiengemeinschaft Innenstadt stellen, weil zumindest die Pfarrei Herz Jesu zur Innenstadt zu zählen ist: Mit dieser Perspektive tun sich viele Gemeindemitglieder noch schwer. Pfarrer von Herz Jesu ist Michael Rosenberger, von Sankt Pius Albert Leutbecher. Den Norden der Stadt umfasst die geplante Seelsorgeeinheit mit den Stadtteilen Damm und Strietwald. Derzeit haben die drei Pfarreien Sankt Konrad, Sankt Michael und Sankt Josef noch ihren eigenen Pfarrer: Charles Kelly in Sankt Konrad, Georg Müller in Sankt Michael und Friedbert Simon in Sankt Josef. Die Zusammenarbeit steht noch in der Anfangsphase. Rund 9200 Katholiken werden zu dieser Pfarreiengemeinschaft zählen. Deshalb sollen in ihr auch langfristig neben dem Pfarrer noch ein Pfarrvikar und nach Möglichkeit ein Kaplan tätig sein. Die auf der Westseite des Mains liegenden Stadtteile Leider und Nilkheim umfasst die künftige Pfarreiengemeinschaft Sankt Laurentius und Sankt Kilian. Rund 5000 Katholiken zählen beide Pfarreien, die derzeit von den Pfarrern Wolfgang Senzel (Leider) und Wolfgang Kempf (Nilkheim) geleitet werden. Erste Schritte aufeinander zu sind gegangen. Eine engere Zusammenarbeit steht noch an. Würzburger katholisches Sonntagsblatt - 28. Oktober 2007 Im Gespräch
„Eine Vision der Seelsorge entwickeln“
Interview mit Dekan Dr. Jürgen Vorndran zur Situation im Dekanat Aschaffenburg-Stadt angesichts der Errichtung der Pfarreiengemeinschaften
POW Dekan Dr. Jürgen Vorndran.
Aschaffenburg (POW) Das Stadtdekanat Aschaffenburg steht vor großen Veränderungen: Bis 2010 sollen die über 37.000 Katholiken in fünf Pfarreiengemeinschaften und zusätzlich von der Citypastoral betreut werden. In folgendem Interview spricht Stadtdekan Dr. Jürgen Vorndran über den aktuellen Stand der Errichtung der Pfarreiengemeinschaften im Dekanat Aschaffenburg-Stadt, über Probleme und Herausforderungen in der städtischen Seelsorge, über den Dialog mit den Religionen und über Visionen.
POW: Wie würden Sie den aktuellen Stand der Errichtung der Pfarreiengemeinschaften im Dekanat Aschaffenburg-Stadt umschreiben? Dekan Dr. Jürgen Vorndran: In den vergangenen Jahren ist vieles in Bewegung gekommen. Während bis 2001 noch alle 13 Stadtpfarreien und die Kuratie Gailbach mit einem eigenen Pfarrer besetzt waren, sind es momentan zwölf und schon bald werden es nur noch neun sein. Da spüren die Menschen, dass es an der Zeit ist, zu handeln, weil es keine Lösung sein kann, nur abzuwarten, bis es einen trifft. Wir haben im Frühjahr und Sommer sehr intensive Gespräche auf allen Ebenen geführt. Dabei ist auch ein Bewusstsein für eine Stadtkirche in Aschaffenburg gewachsen: Wenn wir uns als eine Gemeinschaft im Stadtdekanat erfahren und nach dem Vorbild unseres Stadtpatrons Sankt Martin handeln, dann heißt Teilen nicht nur, dass wir dem, der nichts hat, etwas abgeben, sondern dass wir durch das Teilen vor allem selbst zu einer neuen Lebensform finden. So haben wir in Aschaffenburg zu einer neuen Lebensformel gefunden, indem wir die 14 Gemeinden in fünf Pfarreiengemeinschaften einbinden wollen, und zwar die Innenstadt als Mitte und darum vier Pfarreiengemeinschaften in den vier Himmelsrichtungen. Die Pfarreiengemeinschaft Süd ist dabei so groß, dass wir dort zwei leitende Pfarrer einsetzen wollen, von denen die Pfarrgemeinderäte in Absprache mit dem Dekan einen bitten werden, jeweils für den Zeitraum von zwei Jahren die Aufgabe des Moderators zu übernehmen. POW: Wo liegen die besonderen Probleme, wo die besonderen Chancen in Ihrem Dekanat? Vorndran: Aschaffenburg hat aus seiner jahrhundertealten Tradition als Residenzstadt der Mainzer Erzbischöfe eine geschichtlich gewachsene katholische Identität, die auch heute noch prägend ist. So ist Kirche nicht nur im Binnenraum der eigenen Pfarrei präsent, sondern wie selbstverständlich auch im öffentlichen Leben der Stadt. Ich sehe es als eine große Chance an, dass die Kirche vor allem auch im kulturellen Leben Aschaffenburgs einen festen Stand hat, der auch von vielen Fern- oder Außenstehenden als große Bereicherung gesehen und gewürdigt wird. Ebenso ist das Martinushaus mit dem Martinusforum als Zentrum der Erwachsenenbildung und den vielen weiteren Einrichtungen von der Caritas bis zum Seniorenforum und dem Jugendtreff „Katakombe“ ein Pfund, mit dem wir wuchern können und müssen. All das trägt dazu bei, die Identität einer Stadtkirche aus den einzelnen Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften noch weiter auszubilden. Natürlich gilt auch für eine Stadt wie Aschaffenburg, dass da Grenzen besonders hoch gehalten werden, wo viele eng aufeinander leben. Darin besteht die große Versuchung gerade jetzt beim Entstehen der Pfarreiengemeinschaften, dass einzelne ihr Heil allein in der Abgrenzung suchen. POW: Vor welchen Herausforderungen steht die Seelsorge im städtischen Bereich? Vorndran: Die Herausbildung von fünf Pfarreiengemeinschaften kann nicht beschönigen, dass wir in den kommenden Jahren auch in Aschaffenburg vor einem gewaltigen Substanzverlust stehen, was unsere über Jahrhunderte gewachsene Struktur betrifft. Wird es gelingen, immer anspruchsvoller reagierende Menschen für den Glauben zu gewinnen, wenn doch so vieles Liebgewordene einfach wegbricht? Das kann nur gut gehen, wenn wir es wirklich schaffen, das Denken in Statussymbolen in den einzelnen Pfarreien zu überwinden und das gemeinsame Ganze in den Blick zu bekommen. Nur wo der einzelne bereit ist, etwas abzugeben und auf etwas zu verzichten, kann er selbst Kräfte freibekommen, um neue Aufgaben zu übernehmen. Wenn jeder nur an sich denkt und die eigene Fahne hochhält, werden uns im Nu die Kräfte schwinden. Wo bisher alle Pfarreien die ganze Bandbreite der Möglichkeiten abzudecken versuchten, wird es in Zukunft darum gehen, abzuklären, wer sich um welchen Schwerpunkt besonders annimmt. Nach dem Ringen um die Gestalt der Pfarreiengemeinschaften wird uns klar, dass damit noch überhaupt nichts gewonnen ist: Die große Herausforderung, vor der wir jetzt stehen, liegt darin, gemeinsam eine Vision der Seelsorge für Aschaffenburg zu entwickeln, die wir dann miteinander umsetzen. Anders wird es nicht mehr gehen, wenn wir uns nicht darauf reduzieren lassen wollen, dass jeder einzelne für seine Pfarreiengemeinschaft gerade mal eine Notversorgung sicherstellt. POW: Welche neuen Ansätze der Citypastoral gibt es in Aschaffenburg? Vorndran: Die Citypastoral ist Vorreiterin der eben genannten Vision. Sie setzt darin an, dass sie sich auf der Ebene der Stadtkirche von Aschaffenburg ansiedelt und sich in der Mitte der Stadt im Martinushaus, in der Sandkirche und in der Stiftsbasilika, vor allem auch der Stiftsmusik, verortet. Hier sollen für Menschen in Erwachsenenbildung, Spiritualität und Kultur Türen zum Glauben geöffnet werden und zwar in der Polarität von Niederschwelligkeit auf der einen und Tiefe auf der anderen Seite. Das kann in unserer Zeit die einzelne Pfarrei gar nicht mehr leisten. Dazu kommt, dass nicht nur in der Stadt viele Menschen unsere Pfarreien als verkernte Kerngemeinden erleben. Wer nicht immer schon dazugehörte, kommt nicht rein. Die Citypastoral will Türen offen halten und so auch gleichzeitig Türen in die Pfarreien hinein öffnen. Ob die Citypastoral in Aschaffenburg dazu auch den so genannten Gesprächsladen in der Fußgängerzone braucht, steht noch dahin. POW: Wie wirkt sich der Einfluss des Großraums Rhein-Main auf die Seelsorge in Aschaffenburg aus? Vorndran: Die Stadt hängt am Puls des Rhein-Main-Gebiets. Das ist unser wirtschaftliches Glück, das heißt aber auch für die Menschen Zwang zur Mobilität. Viele Arbeitnehmer, gerade Fachkräfte, wohnen nur eine kurze Zeit bei uns und werden dann in andere Großräume versetzt. Verständlich, dass sich solche Menschen nicht auf ihre Wohnortpfarrei einschränken lassen, sondern auf der Ebene der Stadt Aschaffenburg Ausschau halten, wo sie sich kirchlich angesprochen fühlen. So dringend wir die Wohnortpfarrei auch weiterhin als Lebensraum vor Ort erhalten müssen, so dringend brauchen wir die Stadtkirche, die durchlässig wird für verschiedene Bedürfnisse. Manche Erwartung werden wir nur an ganz bestimmten Orten erfüllen können. Nur so werden wir einer immer größer werdenden Bandbreite gerecht. Dazu muss es aber die einzelne Pfarrei zulassen, dass es Wanderbewegungen nach drinnen und draußen gibt. POW: In Aschaffenburg leben zahlreiche Angehörige anderer Religionen. Was ist Ihrer Meinung nach im Dialog vor Ort mit anderen Religionen wichtig? Vorndran: Es ist in den vergangenen Jahren gelungen, neun christliche Konfessionen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen an einen Tisch zu bekommen. Dabei haben wir erlebt, wie wichtig es ist, fest in der eigenen Überzeugung verwurzelt zu sein, um ohne Berührungsängste auf andere zugehen zu können. Ich denke, es gilt das gleiche für den Dialog mit anderen Religionen. In Aschaffenburg gibt es Bestrebungen, wieder eine jüdische Gemeinde zu gründen. Muslime haben in verschiedenen Veranstaltungsräumen sechs Moscheen eingerichtet. Ein christlich-muslimischer Gesprächskreis trifft sich bereits. Demnächst soll es Vorgespräche über einen Dialog zwischen Muslimen und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen geben. POW: Was möchten Sie am ersten Fastensonntag 2010 im Blick auf das Dekanat Aschaffenburg-Stadt sagen können? Vorndran: Dass wir fest im Glauben stehen und eine gemeinsame Vision gefunden haben, wie wir die Stadtkirche in Aschaffenburg in ihren fünf Pfarreiengemeinschaften und der Citypastoral seelsorgerisch mit Leben füllen. Es wäre fatal, wenn wir ein schönes neues Haus mit sechs geräumigen Zimmern gebaut hätten und dann feststellen müssten, dass unsere Möbel so nicht hineinpassen. (3907/1325)
Veröffentlicht: 27.09.2007 Interview: Bernhard Schweßinger (POW)
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