Pfarrei Obernau

Stimmungszauber im Advent – Ruhe, Stille, Einkehr, weniger reden, um mehr zu hören - darauf kommt es im Advent an. Wer diese Begrüßungsworte von Pfarrer Erhard Kroth im Adventskonzert in der Obernauer Pfarrkirche St. Peter- und Paul beherzigte, konnte aus einem Moment der Stille heraus vernehmen, wie sich leise aufsteigende Saiten- und Flötenklänge zu einer innigen Weihnachtsmusik entfalteten.

Die Mandolinengruppe des Wandervereins unter Birgit Pezzaund die Flötistin Marlene Rogath füllten den Kirchenraum zu Konzertbeginn miteinem Stimmungszauber, den das aus den vier jungen Solisten Elias Schildge,Veronika Pallach, Simon Hradetzky und Paul Friedrich bestehende BläserquartettClarinetz mit einem Concerto-Grosso-Satz von Vivaldi und einem zeitgenössischenScherzostück gekonnt aufgriff. Auch Manuel Bender verweilte mit seinemköniglichen Instrument in dieser Sphäre mit der Orgelbearbeitung des Adagiosaus Mozarts Klarinettenkonzert und der Hirtenmusik aus Händels »Messias«.
Dass der große Barockmeister die Weihnachtsbotschaft auch in einfreudig-festliches Klanggewand kleiden konnte, bewiesen die Bläser desMusikverein Melomania mit der ursprünglich für Orgel gesetzten brillantgespielten Paraphrase über »Tochter Zion«. Das Stück riss die Zuhörer aus ihrenadventlichen Träumen heraus und verkündete die baldige Ankunft des Heilands imMarschrhythmus. Für den Fall, dass er auf einem Schlitten kommt, ließen dieSchniggers schon mal die »Jingle Bells« läuten. Seine segensreiche Gnadebesangen die Jungmusiker anschließend im prächtigen Bläserklang mit »AmazingGrace«. Den Text des durch Künstler wie Josh Groban, der Gruppe Westlife oderHelene Fischer populär gewordenen »You Raise Me up« darf man getrost auch einGebet verstehen, deshalb passte das von der Melomania farbig und facettenreichgespielte Stück sehr gut auch in dieses Kirchenkonzert. Volker Caspers undKarin Sebesta waren die Dirigenten beider Ensembles.
Wie sehr sich auch die Jüngsten auf Weihnachten freuen, bewies die Rasselbandevom Kinderchor der Harmonie unter Hubert Stripp. Einerseits wünschen sie sichmit Rolf Zuckowski »Frieden für die Welt«, andererseits sind sie in der»Weihnachtszauberwelt« vor Vorfreude schon »ganz verrückt«. Wer ihre Sangeslustund strahlenden Gesichter gesehen hatte, glaubte es ihnen sofort.
Den abschließenden musikalischen Glanzpunkt des Abends setzte der große Chordes Gesangvereins. Teils a cappella vorgetragen, teilweise am Keyboardbegleitet von Robert Hößbacher und dirigiert von Toni Junker begeisterten siemit dem Spiritual »You Are My All In All«, einer Variation über den berühmtenPachelbel-Kanon, und dem mitreißenden »Jubilate Deo« sowie dem »Ave Verum«. Inseiner letzten vollendeten Vokalkomposition schien Mozart hier schon die Nähedes Himmelreichs gespürt zu haben. Davon gingen zumindest die Chorsänger aus,so überirdisch schön erklang diese Motette.
Somit erfüllte sich für die mehr als 300 Besucher des Obernauer Adventskonzertsin diesem Jahr haargenau das, was Pastoralmitarbeiter Peter Spielmann undKirchenpflegerin Barbara Nebel in ihren besinnlichen Zwischentexten versprochenhatten: Musik macht die Seele weit und die Welt reicher.  

ErnstBäppler

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