Pfarrei Obernau

Aschaffenburg-Obernau – Christen und Muslime sprechen über die Wurzel des Festes in Bibel und Koran (Weihnachtsgeschichte nach Lukas – Koran Sure 19) - viele Advents- und Weihnachtsbräuche übernommen - Backrezepte getauscht „Was machtihr, wenn wir Weihnachten feiern?“ wollten Obernaus Katholiken von ihrenMitbürgern islamischen Glaubens wissen. Mehr als 30 türkischstämmige Muslimekonnte Peter Spielmann, pastoraler Mitarbeiter in St. Peter- und Paul, jetzt imObernauer Pfarrsaal begrüßen.
Gemeinsamhörten sich Christen und Muslime Weihnachtsgeschichten aus der Bibel und demKoran an und tauschten sich über Brauchtum und Essgewohnheiten aus.

Rasch rückten die Besucher zusammen und kamen ins Gespräch. Viele dermuslimischen Gäste leben schon jahrzehntelang in Obernau und haben über diegemeinsame Kindergarten und Schulzeit sowie das Vereinsleben vielfältigeKontakte geknüpft. Kein Wunder, dass sie über die christlichenWeihnachtsbräuche und die biblische Weihnachtsgeschichte hervorragend Bescheidwissen.
Peter Spielmanns Frage, was es mit dem Adventskranz auf sich habe, hat dieneunjährige Zehra sofort richtig beantwortet. Die Christen indes waren nichtnur überrascht, zu hören, dass die türkische Stadt Emre der Geburtsort desheiligen Nikolaus ist. Auch, dass der Koran ebenfalls eine Weihnachtsgeschichtekennt, war vielen neu.
Dilek Bal las die deutsche Übersetzung der Koransure 19 vor, in der es um dasErscheinen des Erzengels Gabriel bei Maria geht. Darin heißt es: Er (der Engel)sprach: "Ich bin nur ein Gesandter von deinem Herrn, um dir einen reinen Sohnzu bescheren" Ebenso wie das Lukas-Evangelium berichtet diese Sure auch, dasszuvor die Frau des Zacharias durch Gottes Gnade hochbetagt schwanger wurde.
Parallelen entdeckte die Runde auch zwischen dem Weihnachtsfest und demRamadan. Obernaus Monsignore Erhard Kroth wies darauf hin, dass die Adventszeittraditionell eine Fastenperiode sei, die in früheren Jahren erst mit demFestmahl am Heiligen Abend beendet wurde.
Die aus Polen stammende Christine Spakowski berichtete, dass am 24. Dezember inihrem Heimatland bis zum üppigen, aber fleischlosen Weihnachtsmahl am Abendgefastet werde und dass stets ein zusätzliches Gedeck für den unbekannten Gasthingestellt werde. Jeder, der an diesem Abend anklopft, sei es ein Bettler oderReisender, werde empfangen und verköstigt.
Yasal Atasoy, aktives Mitglied des Ditib-Moscheevereins, kennt Ähnliches auchin seiner Religion: "Wenn wir im Ramadan nach Sonnenuntergang essen, ist jederbei uns eingeladen." Er weiß auch genau, warum die Christen den Weihnachtsbaummit Kugeln schmücken - sie symbolisieren die Früchte des Apfelbaums imParadies. Mit einer weiteren Parallele wartete Peter Spielmann auf. Er zeigteeine Abbildung aus dem persischen Islam, auf der Maria mit dem Jesusknabenunter der im Koran erwähnten Dattelpalme dargestellt ist. Auch die Christen imLibanon, so Spielmann weiter, würden die Geburt Christi mit einer Dattelpalmedarstellen, weil der von ihr ausgehende Duft im Orient als geburtserleichterndgelte.
Über die Informationen zum Brauchtum in den jeweiligen Kulturen und diegeistige Nahrung kam das leibliche Wohl nicht zu kurz: Gemeindemitgliederverwöhnten die muslimischen Gäste mit Spezialitäten aus der Weihnachtsbäckerei.Für die Gäste waren diese Leckereien allerdings nichts Exotisches: In denmeisten muslimischen Familien Obernaus hat sich der Brauch, Plätzchen zubacken, längst eingebürgert.
So kam es zu einem regen Austausch von Backrezepten, wobei sich auch diealteingesessenen Obernauer von manch neuer pfiffiger Idee aus der für ihreSüßigkeiten gerühmten türkischen Backstube und Küche begeistern konnten. Diedort den Kochlöffel schwingen, wollen demnächst den Spieß umdrehen und ObernausChristen zu Tisch bitten.

Ernst Bäppler (schreibt auch für das Main-Echo)

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