Pfarrei Obernau

Liebe Gemeinde, die Diskussion um die Erstkommunion hat viele von uns aufgewühlt. Vielleicht kann ja helfen, wenn Sie meine Predigt vom 14. Februar noch einmal nachlesen können. (Ich wurde um Veröffentlichung gebeten.) Deshalb hier der Abdruck: Ihr Pfarrer Erhard Kroth

O Schreck, da hat jemand in ein Wespennest gestochen. Da kann nichts mehr ruhig angegangen werden. Dieses Bild war mir in den letzten Wochen vor Augen, seit das Thema „Erstkommunion 2017“ zur Sprache kam. Allenthalben große Betroffenheit.

Haben da die Hauptamtlichen leichtfertig gehandelt? Wollen die gar nichts mehr schaffen? Ihr nehmt den Kindern das schönste Erlebnis weg – Die Erstkommunion wird abgeschafft, war zu hören. - Da gibt es keine Ministranten mehr – da bleiben auch die Letzten weg – Gemeinschaft kann dann nicht mehr erfahren werden. - Die Kinder bekommen keine Geschenke mehr.

Gott sei Dank, gab es all die Reaktionen. Es scheint doch noch ein Interesse am Thema „Erstkommunion“ zu bestehen – oder ist es nur Nostalgie, was da mitschwingt, „es war doch immer so schön“?

Um was geht es eigentlich?

Vielleicht haben Sie ja meine Ausführungen im Mitteilungsblatt gelesen. Ich werde sie nicht wiederholen, aber ein paar Aspekte daraus zur Verdeutlichung bringen:

Bis ins 19. Jahrhundert lag die religiöse Erziehung der Kinder allein in der Hand der Eltern. Das Kind wuchs durch das Tun und Vorbild der Eltern in den Glauben mit hinein und konnte Jesus kennen und lieben lernen.

Die heutige Praxis, alle Kinder der dritten Klasse gemeinsam zur Erstkommunion zu führen, ist also eine verhältnismäßig junge Erscheinung. Diese christliche Sozialisation durch die Familie ist heute weithin weggebrochen. Bei 80% spielen Gottesdienst und Kommunion keine Rolle mehr. Für viele – die meisten - ist der Weiße Sonntag vor allem ein „gesellschaftliches Ereignis“, ein einmaliges „Event“, mit dem die Beziehung zu Christus auch schon wieder abgelegt, schnell wieder vergessen wird.

Der neue Weg möchte dafür werben, dass die Eltern wieder bewusster und eigenverantwortlich ihre Aufgabe der christlichen Erziehung wahrnehmen. Wir wollen auf die klassenweise Hinführung zum Weißen Sonntag verzichten, wo doch viele gehen, weil alle gehen, also Druck (von innen und von außen) ausgeübt wurde und wird.

Uns geht es dabei nicht um Vermittlung von Wissen, sondern um das Erleben von Glauben, indem Kinder ihre Eltern erleben beim Beten, im Reden, in der Zuwendung zu den Mitmenschen, besonders zu den Armen …

Was ich jetzt sage, ist vielleicht schon überholt; dennoch bringe ich es vor, um wenigstens die Perspektive aufzuzeigen:

Wir bieten dafür den persönlichen bewussteren Weg zur Erstkommunion an: Die Eltern können an einem Sonntag während des Jahres – wenn möglich, auch im Verbund mit Freunden, Verwandten – ihr Kind zum Tisch des Herrn führen, nachdem es auf dieses Ereignis vorbereitet wurde. Die Seelsorger sind gerne bereit, dabei zu helfen, sofern Eltern es wünschen.

  • Wir erhoffen uns davon, dass Eltern sich entscheiden können – je nachdem, wie es ihre eigene Glaubenssituation nahe legt -, freier und intensiver den Weg mit ihrem Kind zu gehen. Es ist für mich der ehrlichere Weg als die klassen-weise Hinführung.

  • Dem einzelnen Kind wird so in seiner Auffassungsgabe und Bereitschaft eher Rechnung getragen

  • Für Eltern ist dieser Weg mit weniger Stress verbunden, da die Äußerlichkeiten wegfallen

  • Ich träume davon, dass Eltern, die an Pfingsten oder zum Schuljahrsende, vielleicht zum persönlichen Geburtstag des Kindes die Zulassung zur Kommunion wünschen, ihrem Kind ein schönes Fest bereiten können, zusammen mit dem Paten, der Patin, die sich dabei sehr gut mit einbringen können (und nicht nur das Geschenk liefern). Noch schöner, wenn 3, 5 oder auch mehrere Familien sich einig sind und gemeinsam ihr Kind vorbereiten und begleiten.

  • Und schließlich kann dieser Weg auch eine vorzügliche Hilfe sein, als Eltern ihren eigenen Glauben wieder neu zu entdecken und zu leben – zum Segen für die ganze Familie und für die Gemeinde. Denn Gott ist ein Gott des Neuanfangs. Er hat immer wieder mit der Menschheit neu begonnen, seine Liebe mitzuteilen.

     

Schwestern und Brüder,

In all dem geht es um Jesus Christus, und meine Beziehung zu ihm, die in der Taufe grundgelegt wurde und erneuert oder vertieft werden soll. Wo dies gelingt, wird es auch zurück wirken in die Gemeinde hinein. Die gesamte Gemeinde schließlich ist aufgerufen im Gebet und im Zeugnis die Familien zu begleiten. Das erste ist die Communio mit Christus, das zweite: die Communio in der Gemeinde erwächst daraus.

 

Am Schluss noch ein paar Ideen, wie dieser Weg aussehen könnte – wobei wir den konkreten Weg = das Konzept mit den Eltern zusammen erarbeiten möchten:

  1. Ein gemeinsames Einführungsgespräch für alle interessierten Eltern

  2. Angebot und Austausch über konkrete Hilfen für das Gespräch mit dem Kind

  3. Arbeitsmaterial wird zur Verfügung gestellt.

  4. Die Zeit der Vorbereitung liegt bei den Eltern; dazu gehört das Hineinwachsen in den Gottesdienst, in dem diese Kinder bewusst immer neu mit einbezogen werden.

  5. Schließlich der schön gestaltete Gottesdienst mit der Erstkommunion

 

Die Gremien der Pfarreiengemeinschaft und der Pfarrgemeinderat von Maria Frieden werden sich Mitte März noch einmal zu einem Gespräch treffen, wobei ich davon ausgehe, dass das Ergebnis offen ist.

 

Schade finde ich, dass viele Vorurteile in den Medien ausgesprochen wurden, die durch nichts belegt werden können. Wer sagt denn, dass Gemeinschaft nicht möglich ist? Wer sucht denn wirklich die Communio und lebt sie, die jetzt so viele fordern?

Natürlich sucht Jesus auch heute noch das 100. Schaf; er sagt aber auch: „Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran“. Wie viele Eltern, die es in der Taufe versprochen haben, tun es wirklich? Können die Kinder wirklich durch einen „Crash-Kurs“ auf diesen Weg getrimmt werden? Die Praxis widerlegt es.

Ich bitte Sie alle darum, dass wir – bevor wir einander verteufeln, um den richtigen Weg beten. 

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