Pfarrei Obernau

Treffpunkt Karfreitag, 6 Uhr früh, am alten Bahnhof in Obernau: Junge Leute aus dem Aschaffenburger Stadtteil ziehen los, um mit Klappern und Ratschen den Glöckner zu ersetzen. Das »Klappern« ist längst keine rein männliche Aufgabe mehr. Wie in St. Peter und Paul in Obernau sind beispielsweise auch in Kleinostheim oder im Alzenauer Stadtteil Hörstein die »Klappermädchen« auf dem Vormarsch.

Das laute Klappern hat eine lange Tradition: Weil die Kirchenglocken von Gründonnerstagabend bis zur Osternachtfeier schweigen - der Volksmund sagt: »Die Klöppel fliegen nach Rom, um zu beichten« - , gab es ein »logistisches« Problem: Irgendwie musste man die Gläubigen um 6 Uhr früh, 12 Uhr mittags und 18 Uhr abends zum Angelusgebet rufen.
So schickte man die »Klapperbuben« los. Der Lärm von Klappern und Ratschen sollte zugleich an das in der Passionsgeschichte erwähnte Erdbeben zur Todesstunde Christi erinnern. Erstmals urkundlich belegt ist dieser auch heute in katholischen Gegenden noch üblicher Brauch im ausgehenden 15. Jahrhundert.
In der Obernauer Pfarrei St. Peter- und Paul war er in den Nachkriegsjahren eingeschlafen. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert wagte der damalige Ortspfarrer Ulrich Debler mit einigen Ministranten den Neubeginn. Seit dieser Zeit gelingt es der Pfarrei, alljährlich einen Trupp von Kindern und Jugendlichen loszuschicken. Auch an diesem Karfreitagmorgen trafen sie sich am Alten Bahnhof, um grüppchenweise durch den Stadtteil zu ziehen.
Wie in Obernau gibt es auch in Kleinostheims Pfarrei St. Laurentius immer mehr »Klappermädchen«. Dort machten sich am Karfreitag mehr als 60 Ministrantinnen und Ministranten zwischen 9 und 20 Jahren auf den Weg. »Wir sind heuer so gut aufgestellt, dass wir in Fünfergruppen fast flächendeckend unseren Ort begehen können«, freute sich Pastoralassistent Michael Kornberg. Etwa 20 Klappern und Ratschen zählt der hölzerne Kleinostheimer Bestand, der vom ehrenamtlichen Handwerkerteam der Pfarrgemeinde in Schuss gehalten wird.
Auch durch den Alzenauer Stadtteil Hörstein ziehen seit Karfreitag dreimal täglich Fünfergruppen. Mit einer Werbeaktion via Internet und Gemeindebrief gelang es Oberministrant Pascal Rieder von der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, zum harten Kern seiner Ministranten weitere Kinder aus dem Ort zu gewinnen. So kann Hörstein auch heuer ausreichend »beklappert« werden.
An diesem Karsamstag beschränken sich die Hörsteiner Trupps nicht nur auf Akustisches. Während der »Mittagsrunde« bauen sie auf die Spendierfreudigkeit ihrer Mitbürger und sammeln Geldspenden und Ostereier. Der Inhalt der Sammelbüchse kommt der afrikanischen Partnerpfarrei und der Jugendarbeit zugute. Die Eier werden für den selben guten Zwecks nach den Ostergottesdiensten verkauft.
Warum junge Menschen in Aschaffenburg-Obernau als »Klapperer« unterwegs sind

Philip Vogel (19), Student - Oberministant
Ich bin heute zum zehnten Mal dabei, jetzt als Oberministrant« sogar kraft Amtes. Es ist mir wichtig, Traditionen zu pflegen und gerade am Karfreitag meine Mitbürger akustisch daran zu erinnern, dass es eben nicht nur ein arbeitsfreier Tag ist, sondern dass es um die wichtige Botschaft vom Kreuzestod geht.
Sofie Vogel (14), Schülerin
Ich freue mich, dass sich in unserer Gemeinde immer mehr Mädchen sinnvoll engagieren können. Ich mache seit drei Jahren mit und das Gemeinschaftserlebnis macht mir sehr viel Spaß. Der religiöse Inhalt beim Klappern ist mir sehr wichtig. Natürlich gefällt mir auch die Action, wenn wir lärmen dürfen.
Marius Magnago (16), Schüler
Seit dem neunten Lebensjahr bin ich Ministrant und Klapperer. Das macht Spaß und dient einem guten Zweck. Die Obernauer reagieren positiv. Voriges Jahr gab es eine einzige merkwürdige Reaktion: Ein Mann rief uns zu, wenn wir demonstrieren wollten, sollten wir das doch in der Stadt tun. 

Ernst Bäppler Beitrag und Fotos 

 vergrößernKlappermächen in Hörstein Ernst Bäppler vergrößernObernauer Klappern Ernst Bäppler vergrößernKleinostheimer Klappermädchen Ernst Bäppler

 

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