Pfarrei Obernau

Wolfgang Kempf – Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Hebr.11,8

Bei strahlendem Vorfrühlingswetter beging die Pfarrei St. Peter u. Paul, Obernau den 20. Weihetag von Pfarrer Wolfgang Kempf. Zum Abschluss des feierlichen Gottesdienstes überreichte Pfarr- gemeinderatsvorsitzender Udo Breitenbach und seine Stellvertreterin Brigitte Weigand, Pfarrer Kempf stilles Wasser und Matzen wie es sich für die Fastenzeit gehört. Natürlich gab es auch einen Gutschein zur Belohnung nach dem Fasten, damit Pfarrer Kempf wieder zu Kräften kommt. Auf unserem Kirchplatz wurde dann ein kleiner Imbiss gereicht. Wir wünschen Pfarrer Kempf Gottes Nähe und Segen auch weiterhin im priesterlichen Dienst.

Predigt anlässlich seines 20. Weihetages im Gottesdienst am 3. Fastensonntag in St. Peter und Paul, Obernau.

Die vergangenen Tage in Münsterschwarzach hatten eine besondere Bedeutung für mich. Am Mittwoch - auf den Tag genau 2o Jahre nach unserer Priesterweihe in der dortigen Abteikirche - konnte unser Weihekurs mit Bischof Paul-Werner dort noch einmal miteinander die Eucharistie feiern und am Donnerstag habe ich mich zurück erinnert an meine Primiz in Glattbach.
Am Montag, als wir uns trafen, meinte einer aus unserem Kurs: Sind das wirklich schon zwanzig Jahre her?! Ja, es ist ein langer Weg mit vielen Stationen. Zwei der ursprünglich elf haben mittlerweile geheiratet und Familie gegründet; einen mussten wir leider auch schon zu Grabe tragen.
Mit Blick auf das heutige Evangelium möchte ich mit Euch und Ihnen diesen Weg noch einmal etwas anschauen und zu deuten versuchen. Und ich möchte auch nicht nur von mir reden. Ich bin mir fast sicher, einige von den Erfahrungen, die ich machen durfte und auch machen musste, sind auch Erfahrungen, die Ihr kennt, die Sie kennen.
In unserem gemeinsamen Christ-Sein verbindet uns die Suche nach unseren Quellen, nach dem, was uns leben und immer wieder neu aufleben lässt. Am Beginn unseres Lebens als Christen steht der Brunnen der Taufe. Das ist der gemeinsame Grund, auf dem wir stehen und der uns trägt, der uns Halt gibt. Doch die Taufe allein macht es beileibe noch nicht. Sie ist ja erst der Beginn, der Startschuss unseres Weges mit Christus und für Christus. Auf diesem langen, einem lebenslangen Weg braucht es gute Wegbereiter und Wegbegleiter. Ich fand sie in meinen Eltern, in meinen Heimatpfarrern, in überzeugenden Religionslehrern und Ordensfrauen und Ordensmännern, die ich kennen und schätzen lernen durfte und die mir immer wieder etwas von ihren Erfahrungen im Glauben mitgegeben, ja geschenkt haben.
Die Samariterin kommt zum Brunnen, weil sie Durst hat, weil sie ihren Durst stillen und löschen möchte - ihren Durst nach Leben, nach Sinn, nach Verständnis. Auch in unserem Leben gibt es diesen Durst, unsere Sehnsucht nach erfülltem Leben, nach sinnvollem Leben, nach angenommen sein, verstanden sein, geliebt sein. Letztlich ist es die Sehnsucht nach Gott.
Aber diese Sehnsucht wird nicht immer gestillt. Auch im Leben eines Priesters, wie eines jeden Christen, einer jeden Christin gibt es die Erfahrung, dass der Krug leer ist, dass einem kein frisches, lebendiges Wasser mehr zur Verfügung, nur noch abgestandenes, schales oder sogar, dass die Quelle versiegt scheint.
Es gibt diese Phasen des Zweifels, der Anfechtung, der Einsamkeit, in denen sich die Frage aufdrängt: War das der richtige Weg? Kannst du ihn, ja, willst du ihn so weiter gehen? Hast du dich vielleicht getäuscht? Hast du die falsche Entscheidung getroffen? Wird dein Weg jetzt eine völlig andere Richtung nehmen?
In solchen Situationen durfte ich - und ich sage das jetzt in keinster Weise als Floskel - Gott sei Dank - immer wieder Menschen begegnen, bei denen ich mich aussprechen konnte, die mir zugehört und - was noch viel wichtiger ist - Verständnis geschenkt haben. Das war zum einen mein geistlicher Begleiter in Münsterschwarzach. Das war aber auch eine buchstäblich kleine Ordensschwester in Würzburg, die mich seit frühester Kindheit kannte, die ich immer wieder in Würzburg besuchte, und die mir in ihrer bodenständigen, geerdeten Spiritualität immer wieder Mut gemacht hat. Zwei Worte von ihr begleiten bis heute meinen Weg. Das eine: Das ist das Leben: ein Sinken und Heben - ein Gehen auf Gott und - ein Wort, das sich mittlerweile auch auf ihrem Sterbebild findet und das hoffentlich jeder und jede von uns auch einmal über das eigene Leben sagen darf: Es hat sich gelohnt, ihm gedient zu haben.
Im Evangelium heißt es dann: Die Frau lässt ihren Krug stehen, eilt in den Ort und sagt zu den Leuten: Kommt her, seht... Es sind fast die gleichen Worte, die Jesus einige Kapitel vorher zu Andreas und seinem Begleiter bei deren Berufung sagt.
Dieses „Kommt und seht...“ist in meinen Augen auch die Aufgabe eines jeden und einer jeden, die sich auf den Weg mit Gott einlassen.
Wenn wir die Quelle entdeckt haben, den Brunnen, der unseren Durst löschen, unsere Sehnsucht stillen kann, dann sollen wir auch andere auf diesen Brunnen aufmerksam machen, sie zu diesem Brunnen hinführen. Die Erfahrungen, die wir selber mit Jesus gemacht haben und immer wieder machen in unserem Leben, die sollen wir anderen mitteilen, mit anderen teilen.
Es ist mir immer wieder eine Freude, wenn ich spüren darf - ob im Kindergarten, in der Schule, in den Gremien, in der Predigt oder in Einzelgesprächen: da fällt etwas von dem, was mir selber wichtig ist und was ich selber weiter geben möchte auf fruchtbaren Boden. Es wird gehört, verstanden und hilft dem anderen weiter auf der Suche nach Leben, nach Gott. Geht das Eltern, Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern nicht genau so?
Das ist natürlich nicht immer - auch das können, wie ich denke, viele nachvollziehen- nur eine Erfolgsgeschichte. Nachfolge ist nicht immer gleich zu setzen mit Erfolg.
In diesem Zusammenhang tröstet mich das Wort aus dem heutigen Evangelium: Einer sät und ein anderer erntet. Wir sind im Grunde immer beides: Sämann und Schnitter. Wir ernten von dem, was andere vor uns gesät haben: ein Pfarrer Tschoepe, ein Pfarrer Mechler; ein Pfarrer Debler, ein Pfarrer Vorndran; Kapläne; Ordensleute, Hauptamtliche; Eltern und Erzieher.
Wir haben aber auch den Auftrag nach unserer Kraft und unseren Möglichkeiten auch von neuem wieder auszusäen - in der Hoffnung, dass wenigstens auch - um im Bild des Gleichnisses vom Sämann zu bleiben - ein Viertel unserer Aussaat auf geht und Frucht bringt.
Und letztlich dürfen wir auch in den Vertrauen und der Gelassenheit leben, dass es letztlich nicht nur auf uns ankommt, sondern dass wir letztlich doch auch nur Werkzeuge sind in der Hand Gottes und unsere eigentliche Aufgabe darin besteht, seinen Willen für diese Welt zu erkennen und mit zu helfen, dass sich dieser Wille auch erfüllt.
So möchte ich diese unvollständigen Gedanken mit einem Gebet von Jörg Zink, dessen Texte mich immer wieder bereichern und zum Nachdenken anregen:

Herr,
du hast uns gerufen.
Die Unruhe, die uns ergreift, wenn wir dein Wort hören, beweist es.

Du kennst unsere Schwäche.
Du weißt, wie leicht wir den Mut verlieren.
Du weißt, wie ängstlich wir unsere Schritte setzen.
Aber du hast uns gerufen.
Darauf verlassen wir uns.
Wirke in uns, wenn es dein Wille ist.
Brauche uns und mache uns brauchbar.

Wir wissen nicht, ob etwas heraus kommt,
bei allem, was wir in deinem Namen tun.
Aber das Werkzeug braucht sich nicht zu ängstigen
um den Sinn des Werkes.
Wir sind dein Werkzeug.
Du hast uns in die Hand genommen.
Brauche uns.

Amen

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