Pfarrei Obernau

Eine »Friedensaktion der anderen Art« will Monsignore Erhard Kroth auf den Weg bringen. Obernaus katholischer Pfarrer lädt deshalb zu regelmäßigen Friedensgebeten ein, die ab dem 21. September an jedem Sonntag an der Waldkapelle »Maria Frieden« stattfinden.Main-Echo Mitarbeiter Ernst Bäppler sprach mit dem Seelsorger über seine Beweggründe. »Frieden« scheint ein Fremdwort geworden zu sein, muss man aus den täglichen Nachrichten schließen. In hoffnungslosen Situationen liegt einem das geflügelte Wort »Da kann man nur noch beten« auf der Zunge. Ist das bei Ihnen auch der Fall? Ich lade nicht zum Gebet ein, weil ich hoffnungslos bin, sondern weil ich gerade in Krisenzeiten voll auf seine Kraft vertraue. Papst Franziskus weist eindringlich auf das Friedensgebet hin mit dem Blick auf das Kreuz: Dort wurde auf den Tod nicht mit der Sprache des Todes reagiert. Dies muss für alle Friedensbemühungen oberstes Gebot sein. Gebete, in die man seine Ängste und Sorgen kleidet, mögen seelisch erleichtern. Bewirken sie auch etwas? Beispiele gibt es genug. Die seinerzeit von Johannes Paul II. initiierten Gebete haben in Polen erst die Gewerkschaft Solidarnosc gestärkt und dann das ganze kommunistische System zu Fall gebracht. Ich erinnere mich auch an die Wirkung, die 1989 von den Leipziger Friedensgebeten ausging. Reicht es nicht aus, zu Hause im stillen Kämmerlein sein Friedensgebet zu sprechen? Zwiesprache mit Gott ist jederzeit und an jedem Ort möglich. Christsein heißt aber auch, in der Gemeinschaft als Volk Gottes aufzutreten und zu handeln. Das gemeinsame Beten gibt Impulse - beispielsweise auch zur Unterstützung von Hilfswerken wie Caritas, Misereor oder die Sternsingeraktion. Sie leisten in den Krisengebieten wertvolle Friedensarbeit durch humanitäre Hilfe. Wenn wir gemeinsam an einem Ort beten, der »Maria Frieden« heißt, so ist der Name Programm und Verpflichtung zugleich. Programm und Verpflichtung für wen? Gilt etwa die Einladung nur für Katholiken, die Maria jetzt im September mit den Festen »Mariä Geburt«, »Mariä Namen« und »Mariä Schmerzen« besonders verehren? Keinesfalls. Der Bezug auf Maria grenzt nicht aus. Die »Friedenskönigin« ist auch in der evangelischen Kirche ein geachtetes Vorbild. Und viele mir bekannte Protestanten kehren gerne in unserer »marianischen« Waldkapelle zum Gebet ein. Alle Christen und alle Menschen guten Willens sind eingeladen. Ich wünsche mir sehnlichst, dass unsere gemeinsamen Gebete eine Bewegung auslösen, die sich auf die ganze Stadt und die Region ausdehnt. Die Friedensgebete finden ab kommenden Sonntag, 21. September, um 17 Uhr an der Obernauer Waldkapelle statt. Anfahrt mit PKW möglich bis zum Parkplatz an der Mehrzweckhalle. Stadtbus Linie 1 bis Haltestelle Mehrzweckhalle Obernau. Im Winter finden die Friedensgebete in der Rosenkranzkapelle der Pfarrkirche St. Peter- und Paul statt.   Zur Person: Erhard Kroth  Erhard Kroth wirkt seit 2011 in der Obernauer Pfarrei St. Peter und Paul, die mit den beiden Schweinheimer Pfarreien und St. Matthäus in Gailbach eine Pfarreiengemeinschaft bildet, benannt nach der Obernauer Waldkapelle »Maria Frieden«. Erhard Kroth wurde 1940 in Pflaumheim geboren.1967 empfing er von Bischof Josef Stangl die Priesterweihe. Nach Seelsorgediensten in mehreren unterfränkischen Landgemeinden kam er 1985 nach Würzburg als Pfarrer an Stift Haug. Von 2000 bis 2010 bekleidete er das Amt des Würzburger Stadtdekans. Ein gleiches Amt hatte er zuvor mehrere Jahre in Ebern inne. Gleichzeitig war er innerhalb der Diözese für zahlreiche überörtliche Aufgaben zuständig. Für seine Verdienste verlieh ihm Papst Johannes II. im Jahr 2003 den päpstlichen Ehrentitel »Monsignore«.  Ernst Bäppler im Main-Echo 213/2014 vom 16. September 2014
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