Pfarrei Obernau

Die Jonaerzählung geschieht fortwährend, sagen uns jüdische Theologen. Obwohl sie in die Gattung gleichnishafter Märchenerzählungen eingereiht wird, scheint in ihr so viel Menschsein auf, wie eine Erzählung nur fassen kann: Hortus Deliciarum - Der Prophet Jona wird vom Fisch bei Ninive ausgespien

Der Prophet Jona (d.h. „Taube“) erhält von Gott den Auftrag, die Bewohner von Ninive (d.h. „Fischwohnung“) zur Umkehr zu bewegen. Er flieht und besteigt, so die jüdischen Erzähler, in Jaffa (d.h. „schön“) ein Schiff und lässt sich als blinder Passagier ans spanische Tarschisch (d.h. „erstarrter Marmor“) fahren. Kurz vor der Küste wird er vom Wal verschlungen. Nach jüdischer Tradition war es der Leviathan, auf dessen Walrücken die ganze Welt ruht, der ihn nach drei Tagen im Orient vor der Küste der Niniviten an Land wirft. Dort ruft er zur Umkehr, und die Niniviten („Fischwohnung“) bekehren sich tatsächlich. Von „Fischwohnung“ zu „Fischwohnung“ also geht also sein eigener abenteuerlicher Weg, indem er das Schöne und die Erstarrung hinter sich lassen muss, bußfertig in eine Tiefe geht, die die ganze Welt trägt und in der „Fischwohnung“ wieder als neuer Mensch ausgespieen wird.

Das Märchen vom Propheten Jona setzt die Kirche in Beziehung zur Aussendung der Apostel. Ihr Missionsgebiet ist „Ninive“, wo die Jünger und Apostel als „Tauben“ wirken.

Peter Spielmann
für das Pastoralteam

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