Pfarrei Obernau

Aschaffenburg-Obernau – Gospel meets Klassik - Abschlusskonzert des Gesangvereins "Harmonie" Obernau zum 125. Gründungsjubiläum

„Die Bibel ist voll vonEinladungen zum Singen“. Diese Einladung in den Begrüßungsworten von MonsignoreErhard Kroth ließen sich 65 Chorsängerinnen und –Sänger des ObernauerGesangvereins „Harmonie“ nicht zweimal sagen. In der Obernauer PfarrkircheSt.Peter und Paul erfreuten sie mit ihrem Abschlusskonzert zu ihrem 125.Gründungsjubiläum mehr als die 500 Zuhörer im Kirchenschiff unter dem Motto„Gospel Meets Classic.“

Die Einladung „von ganz oben“ kam freilich nicht erstkurz vor Konzertbeginn. Sonst hätte sich seine Sängerschar mit ihremmusikalischen Leiter Anton Junker nicht an ein besonderes Projekt gewagt:

DieErstaufführung der „Sunrise Mass“ des 1978 geborenen Norwegers Ola Gjeilo ambayerischen Untermain. Mehr als acht Wochen probte der Chor teilweise an vierTagen in der Woche, um dieses mit kühnen Harmonien angereicherte an dieGesangstechnik hohe Anforderungen stellende Werk nicht nur „handwerklich“ zubewältigen, sondern auch musikalisch beseelt als Glaubensbotschaft nach außenzu tragen.

Das Vorhaben gelang in besterWeise: Begleitet von der im Südhessischen hochangesehenen KammerphilharmonieSeligenstadt und der Pianistin Britta Gläser gelang eine farbige und in punctoDynamik und Textverständlichkeit kongeniale Interpretation, die beim Zuhörer tiefsteEmpfindungen auslöste und ihn Zeit und Raum vergessen ließ.

„The Spheres“,„Sunrise“, „The City“, „Identity“ und „The Ground“ nennt der Komponist dieeinzelnen Abschnitte, die dem Kyrie, dem Gloria, dem Credo, dem Sanctus und demAgnus Dei entsprechen. Gesungen wird der lateinische Originaltext.

Wie dieserGesang in den einzelnen Teilen sich sphärenhaft aus einem tonartfreienKlangtableau wie ein sich langsam öffnender Blütenkelch entfaltet, zeugt vonhoher Satzkunst und erinnert an unisono-tremolierende Einleitungen so mancherBruckner-Sinfonie. Überirdisch schön gestaltet der Chor im „Gloria“ nach derhymnischen Steigerung zum „Laudamus te“ das mystisch ausklingende „Amen“. Im„Sanctus“ berührte vor allem der Zwiegesang zwischen Solovioline und demkammermusikalisch fein agierenden Chor, bevor die Musik im letzten, „TheGround“ überschriebenen Abschnitt „festen Boden unter dem Füßen“ fand und dieMesse mit einem volksliedhaft-innigen, tiefste Frömmigkeit bezeugenden AgnusDei ausklingen ließ.

Der Messe, die den zweiten Teildes Konzerts beherrschte, gingen zweiklangschöne klassische Kostbarkeiten voraus: Mozarts Motette „Ave verum“ und HumperdincksAbendsegen aus „Hänsel und Gretel“. Wie hier die Orchester und Chor miteinanderZwiesprache hielten und warme musikalische Farben leuchten ließen, zeugte vonhoher Musikalität und fruchtbarer Probenarbeit. Mit bekannten Gospels undSpirituals begann der erste Konzertteil schwungvoll und mitreißend. Für dieSängerinnen und Sänger der „Harmonie“, die hier in unterschiedlichenFormationen als „Gemischter Chor“, „Harmonie-Singers“ und „Großer Chor“auftraten, waren Stücke wie „I Will Sing“, „I Will Follow Him“ – bekannt ausdem Film „Sister Act“ -  oder dasexpressive „Jubilate Deo“ mehr als bloße „Warmsinger“ für die Partien imzweiten Teil. 

 „Singen ist doppeltesBeten“, hieß es in einem der geistlichen Zwischentexte vom MonsignoreKroth. Diese seit 125 Jahren gesungenenGebete wurden erhört: Auf einer Gesangskunst, die ein solch fulminantes Konzertermöglicht, kann nur himmlischer Segen liegen.

 Ernst Bäppler

­